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Das Ende naht

Social Media am FrühstückstischUnd zwar das Ende von Facebook

Eine gewagte These, dessen bin ich mir bewusst. Und ich gebe es zu. Es ist nur ein Trick, um auf diesen Beitrag aufmerksam zu machen. Eigentlich geht es nicht um das nahende Ende von Facebook, sondern um sich abzeichnende Strömungen in Social Media im allgemeinen.

Mir ist ein interessanter und völlig subjektiver Artikel aufgefallen in dem ein US-Jugendlicher seine persönliche Social Media Nutzung bewertet.

Es geht dort nicht wirklich nur um Facebook, sondern eher um die Darlegung seiner persönlichen Sicht auf verschiedene Social Media Kanäle.

Diese Sicht finde ich ganz interessant, da sie Erklärungsansätze liefern könnte, warum bestimmte Social Media Kanäle nach dem Hype der vergangenen 4 Jahre irgendwie ins Stocken geraten könnten.

Ich habe einfach mal meine Gedanken zu dem aufgeschrieben, was ich dort in  und vor allem zwischen den Zeilen lese.

Bevor ich zu konkreten Dingen komme, für mich der eigentliche Kern des Artikels: Bei jeglicher Nutzung eines sozialen Netzwerks scheint für den Autor der von der Plattform ausgehende soziale Druck ein entscheidendes Kriterium zu sein. Offenbar ist das aus seiner subjektiven Wahrnehmung auch nicht nur bei ihm so, sondern bei vielen anderen Personen seines Umfelds.

Wenn sich das in breiten Masse manifestiert, könnte es Facebook und auch einigen anderen Plattformen ein lawinenartiges Ende bereiten. Eine erste Folge könnte auch jetzt schon sein, dass die auf vielen Netzwerken eine gewisse Ermüdung bei der aktiven Nutzung zu sehen ist. Zwar gehen die Anmeldezahlen nicht zurück, aber das könnte wirklich daran liegen, dass einzelne Netzwerke mit Teilfunktionen noch interessant sind.

Im Artikel werden zum Beispiel die einfache Nutzbarkeit von Gruppen und das Chats von Facebook angeführt. Hier könnte Google+ also durchaus mit seinen „Google for Education“ durchaus den richtigen Riecher beweisen.

Die Einschätzung anderer Social Media Netzwerke lassen interessante Interpretationen zu.

Der Absatz zu Instagram zum Beispiel zeigt für mich schön, wie wenig reflektiert man (oder besser der Autor des Artikels) die Medien nutzt:

„Everything about the application makes it less commercialized and more focused on the content…“

Das zeigt mir, dass der Megadeal „Facebook kauft Instagram für eine Milliarde“ für diese Generation irgendwie im Nachrichtenrauschen untergegangen zu sein scheint. Natürlich lassen sich die wunderbar mit Tags versehenen Bilder von Instagram nutzen um Werbung anzupassen.
Es muss ja lediglich im Hintergrund eine Verbindung der beiden Accounts passieren. Ob man dazu die jetzt aktuell aufgetauchten Supercookies von Verizon und Turn nutzen könnte?

Auch der Ansatz Twitter als Nachrichtenkanal zu verstehen, scheint völlig am Autor vorbei zu gehen. Welche Quellen nutzen die Kids? Für den Mainstream aufbereitete TV-News? Oder sind Nachrichten wirklich nur noch eine Show?

Das zeigt sich im zweiten Teil des Artikels. Youtube scheint der Kanal der Wahl zu werden. Also „Don’t read it, watch it…“ als Ansatz? Gerade nachdem bei Youtube klar wurde wie die Marketingwelt hinter der Youtuber-Szene so arbeitet, halte ich das unter medienkritischen Aspekten für ein sehr gewagtes Unterfangen.

Auf jeden Fall wird die Chance ein solches Medium als direkte und unverfälschte Nachrichtenquelle zu nutzen, völlig ignoriert. Damit dürfte auch klar sein, wie die vor einiger Zeit aufgekommene Diskussion um einen „Algorithmus“ im Twitterstream ausgehen dürfte.

Der Absatz zu Snapchat ist für mich ein sehr spannender. Offenbar wird ein latent vorhandenes Misstrauen bei der Sicherheit der Daten von einem nicht vorhandenen sozialen Druck absolut überspielt.

Datensicherheit ist egal wenn der soziale Druck nicht da ist.

Ein für mich völlig neuer Ansatz. Diese beiden Parameter hätte ich nie in eine Relation gesetzt.

Und noch spannender: Tumblr, Yik Yak (das ich noch gar nicht wahrgenommen habe) und Medium scheinen die aussichtsreichsten Kandidaten für fortbestehende Social Media Plattformen zu sein.

Der Grund wird klar benannt: Die Suche nach Privatsphäre. Hier kann ich mich ausdrücken und Freunden mitteilen was ich denke und fühle, ohne dass gleich die halbe Welt mitlesen kann, weil die Verbindung zu mir als Person nicht zwingend da ist.

Sozialer Druck und Freiräume als Bestandskriterium?

Für mich klingt das nachvollziehbar, denn es sind Gründe, die einfach in der Natur des Menschen begründet sind.

Aber gehen wir zum Schluss weg von Social Media Kanälen und folgen dem Artikel, der auch von den Social Networks weg schwenkt und sich einem ganz anderen Kanal widmet: Den Apps und deren Nutzen aus subjektiver Sicht. Damit sind wir auch direkt bei einem ganz anderen, in Marketingkreisen stark diskutierten Bereich.

Social Media und Marketing vs. Wir bauen uns eine App und verkaufen gleich viel mehr.

Auch hierzu finden sich für einige Aussagen. Marketing in Plattformen wie Facebook scheint sinnlos zu werden, da die Rezipienten einen wirksamen Wahrnehmungsfilter entwickelt haben.

„It is very easy to just see the new information posted on the group without having to sift through tons of posts and advertising you don’t really care about.“

Wenn sich diese Erkenntnis bei Werbetreibenden verbreitet, fehlt den Netzwerken ganz schnell die Einnahmequelle. Dann werden die Gelder für „Sponsored Posts“ ganz schnell woanders investiert. Zum Beispiel in eigene Apps. Ist das der neue Trend?

Marketing über Apps funktioniert nur wenn sie dem User einen sofort wahrnehmbaren Nutzen bringen.

Der Ansatz „Wir machen mal eine App, die laden die Leute sich runter und dann schicken wir den Produktnews“ ist definitiv so effektiv wie „Wir machen was mit Fähnchen“.

Eine App landet heute nur noch auf dem Smartphone wenn sie direkt einen Vorteil bringt. Also einen Kaffee, einen Song oder einen Burger.

Damit wird auch schnell klar für wen sich so etwas lohnt: Für grosse Ketten und Marken. Im Mittelstand ist aber spätestens Schluss. Denn dort wird sich eine App-Entwicklung kaum lohnen, wenn der Verbreitung immer aktiv über Belohnungen passieren muss. Außerdem muss ein eingespieltes Social Media Team her, die über die App auch News und Interaktion bringt. Da ist für kleine Unternehmen schnell die Leistbarkeitsgrenze erreicht.

Was ist das Fazit?

Ein klares Fazit zu ziehen ist kaum möglich, da es sich lediglich um eine subjektive Einzelsicht handelt. Es werden sich also abgestufte Varianten und auch völlig andere Erlebenswelten finden lassen. Der Artikel liefert aus meiner Sicht durchaus Hinweise und Erklärungsansätze, die man in ganz persönliche Marketing und Social Media Aktivitäten einbeziehen sollte.

 

 

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SocialMedia wirkt

Marketing mit SocialMedia bringt nichts…

SocialMediaDas sagen manche. Andere sagen, es funktioniert.

Als Beispiel bei dem es funktioniert, möchte ich eine Veranstaltung aus dem eigenen Wirkungsbereich anführen: Das große Dressur- und Springturnier 2014 beim RuF Hexbachtal/Reitstall Lugge.


Zur Historie und Vorplanung

Anfang des Jahres 2014 kam die Idee auf, ein im Mai stattfindendes Reitturnier auf der neu überarbeiteten Website des Reitstalls prominent in den Vordergrund zu bringen. Obwohl die Website als Content Management System (CMS) relativ zeitnah mit Inhalten zu versorgen ist, kam trotzdem der Gedanke auf, die anstehende Veranstaltung mit Hilfe sozialer Netzwerke zu begleiten.

Es wurden daher im Februar Accounts bei Twitter, Facebook, Instagram und anderen Netzwerken angelegt und testweise mit ersten Inhalten bestückt. Allerdings eher sporadisch um zu entscheiden, welches Medium sich am besten eignet. Zu diesem Zeitpunkt war absolut nicht klar, welche Netzwerke als aktive Kanäle von der Zielgruppe Reiter genutzt werden.

Die Umsetzung

Als zentrales Informationsmedium und Ankerpunkt wurde die eigene Website ausgewählt. Klare Vorgabe: Nach den positiven Rückmeldungen nach der Überarbeitung Mitte 2013 wäre es fatal die Aufmerksamkeit von der Website auf andere Kanäle zu ziehen.

Auf der Website entstand daher eine eigene Rubrik zum Turnier, es wurde mit einem Fotorückblick und der Turnierausschreibung begonnen. Ebenso wurden Sponsorenwerbung und Termine aufgenommen.

Reichweitengewinn

Es wurde ab Februar 2014 begonnen, Inhalte auf der bei Facebook eingerichteten Fanpage zu publizieren, um damit Aufmerksamkeit zu erreichen und mehr Menschen auf die Website zu ziehen. Gleichzeitig wurde eine Facebook-Veranstaltung angelegt um die geplante Zielgruppe direkt ansprechen zu können. Die Mitglieder des Vereins wurden gebeten, sich bei der Veranstaltung anzumelden und andere Reiter einzuladen.

Der Plan war, weitere Fans nicht über aufdringliche Werbung zu erreichen, sondern auf organisches Wachstum zu setzen.

Ein paar Zahlen

Der Start der Fanpage bei Facebook war sehr spannend. Nach einem Tag hatte die Seite 111 Fans und wuchs in den nächsten fünf Tagen auf 275 Fans.

Vor dem Start der Facebook-Fanpage war ein langsam steigendes Interesse an der Website zu sehen. Seit dem Neustart im Oktober stieg hier die Besucherzahl langsam auf 800 Seitenabrufe im Monat an.

Mit dem Start der Facebook-Fanpage im Februar fing ein exponentielles Wachstum der Website-Besuche an. Der Februar zeigte bereits knapp 1200 Webseitenabrufe pro Monat. Eine ziemlich große Menge an Besuchern für die Image-Website eines Reitstalls!

Und dann kam das Turnier

Im Verlauf des März und April wurden einige Hinweise auf Termine und Meldungsmöglichkeiten bei Facebook veröffentlicht, die alle auf die Website führten. Das alles schien nicht sehr spannend zu sein, die Zugriffszahlen sackten etwas ab.
(Anmerkung: Hier sind die Statistiken auch nicht ganz sauber, da Mitte April ein OLG-Urteil zur Webseitenanalyse gefällt wurde, was ein vorübergehendes Abschalten der Statistiken nach sich zog! Nach Stellungnahme des ULD Schleswig-Holstein und Überprüfung der demnach schon einwandfrei erhobenen Statistikdaten wurde die Auswertung erst am 25.4.2014 wieder aktiviert.)

Facebook

Ende April wurde dann die Anzahl der Posts bei Facebook ein wenig erhöht. Statt einer Reichweite von rund 350 Personen waren es über 700 Personen je Post zum Turnierstart.
Während des Turniers lagen die Reichweiten der Posts bei Facebook zwischen 1.000 und 1.500 Personen.

Website

Auch auf der Website war dieser Trend klar abzulesen. Bereits am Abend des ersten Turniertages lag die Zahl der Seitenabrufe der Website bei 3.100. Also nach einem Tag schon ein Mehrfaches des gesamten Vormonats.

Am Abend des vierten und letzten Turniertages lag die Zahl der Seitenabrufe auf der Website bei 11.700. Das bedeutet eine Verzehnfachung des Websitetraffics! Da ein Seitenabruf nicht unbedingt aussagekräftig ist, noch eine andere Zahl: Es waren 2.500 Besucher, die diese Webseiten abgerufen haben.

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Stand heute, 10.5.2014: 18.500 Seitenabrufe bei 3.600 Besuchen, hiervon 2.600 eindeutige Besucher, bzw. Endgeräte. Wenn man hierbei noch ein Drittel durch doppelte Geräte abzieht, verbleiben mehr als 1.700 eindeutige Besucher auf der Website.

Ebenfalls bemerkenswert: Die mittlere Verweildauer auf der Website liegt bei rund 4 Minuten pro Besuch. Das ist ein durchaus respektabler Zeitraum, der darauf hindeutet, das die Besucher sich mit den Inhalten beschäftigen.

Fazit

Wie man dem Titelbild deutlich entnehmen kann, sind die hier präsentierten Zahlen und deren Interpretation keine virtuelle Scheinwelt.

Die Abrufe der Website korrespondieren eindeutig mit der Besucherzahl vor Ort: Am Nachmittag des ersten Turniertages waren z.B. die reichlich vorhandenen Vorräte des Kuchenstandes komplett leer. Auch die Kilozahlen bei Fleisch und Pommes Frites sind für einen kleinen Reitverein durchaus beachtlich.

Ob das nun nur an der SocialMedia Begleitung gelegen hat, traue ich mich nicht zu bewerten. Das gute Wetter, gut vernetzte Gemeinden in der Umgebung und ein attraktives Veranstaltungsangebot haben sicher auch zum Gelingen beigetragen.

Die Rückmeldungen von Teilnehmern und Besuchern bei Facebook zeigen aber ganz klar, das die SocialMedia Begleitung deutlich wahrgenommen wurde und sehr positiv bewertet wurde.

Insofern: SocialMedia lohnt sich!