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Stichwort Oberfläche

Innovatives Oberflächendesign wohin man blickt. Aber will der Anwender das eigentlich?

Apple macht etwas vor, Microsoft zieht nach. Die Linux-Distribution Ubuntu auch. Also ein Trend? Nicht so ganz.

Im Bereich der Linux-Distributionen gibt es die Website DistroWatch, die die Verbreitung der verschiedenen Linux-Distributionen vergleicht. Hier ist für Ubuntu zum Beispiel deutlich abzulesen, dass seit der Einführung einer neuen Oberfläche namens „Unity“ die Installationen rückläufig sind. Der Grund dürfte das neue Oberflächendesign sein, das an Apples Launchpad erinnert. Keine freie Aufteilung und Anpassung der Oberfläche mehr, sondern es wird alles vom System vorgegeben. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Es setzt sich offenbar eine Vezweigung der ursprünglichen Ubuntu-Distribution durch, die auf einen klassischen, frei anpassbaren Desktop setzt. Also ein klares Signal. Es gibt nämlich nicht DEN Anwender. Jeder Mensch hat seine eigenen Arbeitsweisen am Rechner. Genau wie am Schreibtisch. Es gibt den Chaoten und den Stifteausrichter. Und hunderte Nuancen dazwischen. Und das gilt auch am Computer.

Die Hersteller sollten nicht den Fehler machen, etwas strikt vorzugeben, was niemand will außer der Entwicklungsabteilung. Das Rad ist rund, und das ist gut so.

Als warnendes Beispiel sei die Einführung von Microsoft Office 2007 genannt. Ein komplett neues Oberflächendesign wurde vom Hersteller diktiert. Ohne die Auswahlmöglichkeit, das alte Design zu nutzen.

Das Resultat: die Anwender mussten über Jahre gewohnte Arbeitsweisen umstellen, alles musste neu gesucht werden. Das intelligente Kontextkonzept wurde ein klickaufwändiger Zeitfresser. Microsoft musste zurückrudern und hat in Office 2010 doch wieder das alte Oberflächendesign nachgebaut.

Was zeigt das? Man kann dem Anwender nicht einfach was hinstellen. Der nimmt es nicht an, wenn es nicht zur Aufgabe passt. Warum also nicht in der Entwicklung mal den Anwender einbeziehen? Das war dem Marketing zu teuer? Schade. So war es für die Entwicklungsabteilung noch teurer.

Merke: Was der einen Kostenstelle zu kostspielig ist, wird bei der anderen noch teurer. Und das hilft dem Anwender nicht und auch nicht dem eigenen Unternehmen. Also liebe Hersteller, nehmt mal wieder Blickkontakt zum Anwender auf.